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Außer Büchern – Literatur im TV: “LeseHorizonte: Südafrika”

Posted on | Mai 31, 2009 | Kommentare deaktiviert

(Noch bis 18. Juni auf dem Onlineportal Arte+7 zu sehen: bitte hier entlang …)

Als die FAZ im vergangenen Jahr lautstark forderte “Hungert sie aus!” dürfte der ein oder andere vermutlich zustimmend genickt haben – denn damit war die Literatur gemeint. Der Text beklagte die Saturiertheit der deutschen Schriftsteller angesichts der Vielzahl der Preise: “Zutraulich geworden durch regelmäßige Fütterung, scheint der Literatur sogar das Bewusstsein dafür abhandengekommen zu sein, dass ihre innere Natur nicht die des Haustiers ist, sondern die der Bestie.” Dass im Gegenzug vor allem gesellschaftliche Umbrüche oder Notstände die Qualität der Literatur befördern, war da freilich ebenfalls zu lesen – “Aus den dunkelsten Epochen leuchten uns die überragendsten Dichtungen entgegen” – was für ein zynisches Klischee! Aber klar: Irgendwie ist da was Wahres dran, und so versteht man auch die Entscheidung von dem französischen Brüderpaar Olivier et Patrick Poivre d’Arvor – der eine Schriftsteller, der andere Journalist – ihre Reportageserie über die Literaturen anderer Länder in Südafrika zu beginnen.

15 Jahre sind vergangen seit den ersten freien Wahlen in Südafrika und der Abschaffung der Apartheid – die eben mit der Hautfarbe immer auch die Sprache meinte: Der Aufstand in den Soweto-Townships war ein Aufstand der Schüler, die gegen die Verpflichtung der schwarzen Bevölkerung auf Afrikaans als Amts- und also Unterrichtssprache protestierten. Seit 1994 hat Südafrika nun elf Amtssprachen, eine Vielfalt, die nur von Indien übertroffen wird. Die Politik und die Sprache sind denn auch die Themen der Gespräche, die die Poivre d’Arvors mit so unterschiedlichen südafrikanischen Autoren wie der Dichterin Lebo Mashile, den Schriftstellern André Brink und Ivan Vladislavic, der Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer sowie einer bunten Runde hierzulande völlig unbekannter Autoren geführt haben.

Dabei kommen durchaus unterschiedliche literarische Haltungen und Persönlichkeiten zu Wort. André Brink etwa, der nach einem Publikationsverbot begann, auf Englisch zu schreiben, um wenigstens jenseits seiner Heimat gelesen zu werden, jedoch nie aufhörte, sich in Afrikaans auszudrücken: “Das ist die Sprache der Apartheid, die Sprache der Autoritäten, die Sprache der Macht, und ich wollte diese Macht in ihrer eigenen Sprache anfechten.” Auch steht Nelson Mandela bei einigen durchaus in der Kritik.

So entsteht ein spannendes Panorama dieses Landes und seiner Literatur – dem man höchstens eine halbe Stunde Verlängerung gewünscht hätte, da man manche Meinung, manches Argument gerne noch ausgeführt bekommen hätte und gerade von der nicht weniger disparaten jüngeren Generation – die teils recht heitere Frauenliteratur produziert – gerne mehr erfahren hätte, da sie schließlich die literarische Zukunft von Südafrika repräsentieren.

Was man am Ende allerdings sicher weiß: Umbrüche tun in jedem Fall dem Buchmarkt gut, “von einem Tag auf den anderen”, so erzählt es die Buchhändlerin Henriette Dax, sei die Nachfrage nach Belletristik und Sachbuch exorbitant in die Höhe geschnellt, “die Südafrikaner entdecken ihre Wurzeln und ihre Vergangenheit”, erklärt sie. Die dunkelsten Epochen müssen also manchmal erst ein wenig erhellt werden, damit die leuchtende Literatur auch wirklich zutage treten kann.


“LeseHorizonte: Südafrika”. 11.6., 22.40 Uhr, Arte; weitere Folgen handeln von Ägypten, Haiti und Quebec.

Bild: Sendeanstalt/Copyright

Lesetipps zu Südafrika
André Brink: Die andere Seite der Stille, Osburg Verlag, 19,90 Euro
Ivan Vladislavic: Johannesburg – Insel aus Zufall, A1 Verlag, 19,90 Euro
Nadine Gordimer: Beethoven war ein Sechzehntel schwarz, Berlin Verlag, 19,90 Euro
Breyten Breytenbach: Mischlingsherz, Hanser, 17,90 Euro
Nur auf Englisch erhältlich ist Antjie Kroogs Buch “The Country of my Skull” über die Arbeit der Wahrheitskommission.

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