Am 3. Juli wäre Franz Kafka 125 Jahre alt geworden. Geboren 1883 in Prag, damals noch zu Österreich-Ungarn gehörend, als ältestes Kind einer deutsch-jüdischen Fabrikantenfamilie, lebt er bis zu seinem 31. Lebensjahr mit seinen Eltern. In dem bürgerlichen Milieu, in dem Kafka aufwächst, ist es üblich, dass Kinder, Söhne wie Töchter, erst dann eine eigene Wohnung beziehen, wenn sie heiraten. Kommt es zu keiner Heirat, muss ein unverdächtiger Anlass gefunden werden, um die räumliche Trennung doch zu ermöglichen. Der unverdächtige Anlass lässt auf sich warten, und so lebt Kafka mit seinen Eltern und den drei jüngeren Schwestern zusammen in der gemeinsamen Prager Wohnung, Niklasstraße 36, vierter Stock in einem Durchgangszimmer. In einem Brief an seinen Freund Max Brod vom 15. Dezember 1910 schreibt er: “Wenn links der Frühstückslärm aufhört, fängt rechts der Mittagslärm an, Türen werden jetzt überall aufgemacht, wie wenn die Wände aufgebrochen würden.”
Franz Kafka führt ein, wie er es ausdrückte, zweigeteiltes Leben. Täglich, von Montag bis Samstag, arbeitet er halbtags in der Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt für das Königreich Böhmen, danach geht er nach Hause, schläft ein paar Stunden, um dann, wenn der Rest der Familie sich nach dem Abendessen zurückzieht, an seinen Texten zu arbeiten. Kafka beharrt darauf, dass sein Beruf und das Schreiben unvereinbar sind und er verloren ist, wenn er sich nicht vom Büro befreien kann.
Dabei ist er selbst sein strengster Zensor. An Max Brod schreibt er: “Ich kann nicht schreiben; ich habe keine Zeile gemacht, die ich anerkenne, dagegen habe ich alles weggestrichen, was ich nach Paris – es war nicht viel – geschrieben habe. Mein ganzer Körper warnt mich vor jedem Wort, jedes Wort, ehe es sich von mir niederschreiben lässt, schaut sich zuerst nach allen Seiten um; Sätze zerbrechen mir förmlich, ich sehe ihr Inneres und muss dann aber rasch aufhören” (Brief vom 15. Dezember 1910).
Max Brod machte ihm dem Vorschlag, die ersten Einfälle zunächst stehen zu lassen, um nach einer Weile vielleicht doch etwas daran zu finden, worauf er aufbauen kann. Franz Kafka meint dazu nur: “Für dich passt das, für mich nicht. Das hieße, diesen falschen Gefühlen die Oberhand zu geben.”
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