Ausschreibung LiteraVision
Der Fernsehwettbewerb „LiteraVision“ wird 2010 zum neunzehnten Mal durchgeführt. Ausgezeichnet werden deutschsprachige Fernsehsendungen, die auf beispielhafte Weise über Bücher (aus dem Bereich Belletristik) oder Autorinnen und Autoren informieren.
Folgende Programmsparten sind dabei vorgesehen:
- kürzere Beiträge über Bücher in Magazinsendungen
- längere Sendungen über Autorinnen/Autoren und literarische Themen
In die Auswahl kommen ausschließlich in den Jahren 2008 und 2009 erstmals ausgestrahlte Sendungen. Die Ausschreibungsbedingungen und das Anmeldeformular sind abrufbar im Internet unter www.muenchen.de/literaturstadt (unter „Preise und Stipendien“). Bewerben können sich Filmemacher/innen oder Produzent/innen bzw. Sender aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der beste Beitrag in beiden Sparten wird mit einem von der Landeshauptstadt München gestifteten Preis in Höhe von je 5.000 Euro ausgezeichnet.
Einsendeschluss für die Wettbewerbsbeiträge ist der 12. Februar 2010 (Datum des Poststempels). Die öffentlichen Jurysitzungen finden statt am Freitag, 7. Mai, und Samstag, 8. Mai 2010, im Literaturhaus München, Salvatorplatz 1.
Weitere Informationen über das Kulturreferat:
Katrin Dirschwigl, Tel. 089/ 233 21196, katrin.dirschwigl@muenchen.de
Christoph Schwarz: Tel. 089/ 233 26991, christoph.schwarz@muenchen.de
Ausschreibung für junge Autoren
Das Festival LiteraturUpdate sucht junge Autoren: Das Festival widmet sich dem aktuellen literarischen Schaffen und den Neuen Medien. Vom 10. Oktober bis 28. November 2010 werden Blogger und Poeten, Slammer und Performer, Medien- und Wortkünstler die Literatur in Bayern ‘updaten’. 50 Städte in Bayern werden zu Austragungsorten von Dichterwettstreiten und Medienprojektionen, von Blogger-Treffen und Literaturverfilmungen, von ‘beschriebenen Häusern’ und literarischen Postwurfsendungen.
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Lyrikpreis Meran 2008
Am 10. Mai gab die Jury des Lyrikpreises Meran (Ilma Rakusa, Autorin, Zürich; Volker Hage, Kritiker, Hamburg; Ulla Hahn, Autorin, Hamburg; Hans Jürgen Balmes, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, Wolfgang Wiesmüller, Universität Innsbruck) vier Preisträgerinnen bekannt. Den Lyrikpreis Meran der Südtiroler Landesregierung (8.000 Euro) erhält Martina Hefter. Der Alfred Gruber Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse (3.500 Euro) geht an Monika Rinck. Uljana Wolf wird mit dem Medienpreis des RAI-Senders Bozen (2.500 Euro) ausgezeichnet. Trägerin des ausschließlich in diesem Jahr vergebenen Preises der Jury (1.000 Euro) ist Nikola Richter.
Annemarie Schwarzenbach
Am 23. Mai würde Annemarie Schwarzenbach (23.05. 1908 bis 15.11. 1942) 100 Jahre alt. Sie wuchs in der Seegemeinde Horgen oberhalb des Zürichsees in einer reichen Industriellenfamilie auf, promovierte bereits mit 23 Jahren und veröffentlichte erste journalistische wie literarische Texte noch während ihrer Studienzeit. Schon kurz nach Abschluss ihre Studiums debütierte sie 1931 mit ihrem Roman “Freunde um Bernhard”. 1930 begegnete sie in Berlin Klaus und Erika Mann, mit denen sie nicht nur die literarischen Ambitionen, sondern bald auch die Vorliebe für Alkohol, Morphium und pausenloses Reisen teilte. Ihre Züricher Familie schockierte sie mit ihrem unkonventionellem Verhalten. Nichts weniger als »moralische Verworfenheit« attestierte die Familie ihr, denn statt Heiratskandidaten aus guten Häusern liebte Annemarie Schwarzenbach Frauen, so z. B. Erika Mann, die jedoch ihre Liebe nicht erwiderte. Dass Teile ihrer Familie mit der “Schweizer Front” sympathisierten, Annemarie Schwarzenbach jedoch eine antifaschistische Einstellung hegte, machte das Verhältnis nicht besser.
1933 initiierte Annemarie Schwarzenbach die Gründung der Exil-Zeitschrift Die Sammlung, die unter Klaus Manns Leitung in Amsterdam erschien und emigrierten Schriftstellern ein literarisches Forum bot. Als Nazideutschland und die Faschisten immer größere Teile Europas knebelten, lebte Annemarie Schwarzenbach selbst teilweise das Leben einer Flüchtenden, indem sie mehrere Jahre lang in mehreren Ländern lebte. Sie reiste in den Vorderen Orient, nach Nordafrika und Indien, in die USA und nach Schwarzafrika. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie literarisch, journalistisch und fotografisch zu Romanen und Gedichten, Reisetagebüchern und sozialkritischen Reportagen. Bekannt wurde sie hauptsächlich aufgrund dieser Reisereportagen. 1935 heiratete sie trotz ihrer lesbischen Orientierung den französischen Diplomaten Claude Clarac in Persien. Dort schrieb sie “Tod in Persien”, der erste Entwurf ihres 1938 vollendeten lyrischen Romans “Das glückliche Tal”.
Die seit 1932 bestehende Drogenabhängigkeit machten mehrere Entziehungskuren und etliche Klinikaufenthalte notwendig. Trotzdem reiste sie 1936 in die USA, wo sie Massenarbeitslosigkeit und Elend nach der Großen Depression dokumentierte, 1939 unternahm sie mit Ella Maillard eine Autoexpedition nach Afghanistan, anschließend übersiedelte sie, da sie sich dem literarischen Exil, dem auch Klaus Mann angehörte, zugehörig fühlte, in die USA, wo sie für das Emergency Rescue Committee tätig war und für US-Zeitungen Artikel schreiben wollte. Im Winter 1940/41 fand die Hoffnung Amerika für sie jedoch ein bitteres Ende. Sie wurde zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, aus welcher ihr Bruder sie nur unter der Bedingung befreien konnte, dass sie das Land sofort verlasse. Da sie zu Hause unwillkommen war, begab sich Annemarie Schwarzenbach im April 1941 auf ihre letzte große Reise über Spanien und Portugal in den Kongo, wo sie für Schweizer Zeitungen schrieb. Durch eine Malaria-Erkrankung geschwächt, kehrte sie im Juli 1942 in die Schweiz zurück. Bei einem Fahrradsturz zog sie sich eine schwere Kopfverletzung zu, an deren Folgen sie am 15. November 1942 starb. Am Tag ihres Todes vernichtete die Mutter Annemarie Schwarzenbachs sämtliche Manuskripte, Tagebücher und die Briefe der Geschwister Mann.
Wer weiterlesen möchte, dem sei die Seite des Deutschlandfunks empfohlen, eine literarische Annhäherung mit Biografie-Tipps zum Weiterlesen. Auch der WDR widmet Annemarie Schwarzenbach einen Artikel mit Buch- und Ausstellungstipps.
Elfriede Jelineks Internetroman “Neid” ist fertig
Für den Roman – der Hieronymus Boschs „Die sieben Todsünden“ zum Emblem hat – hat sich Elfriede Jelinek in die Landschaft ihrer katholischen Kindheit zurückgeschrieben, in die Erzabbau-Gegend der Steiermark, nach Bruck an der Mur und Kapfenberg im Mürztal, in deren Nachbarort Mürzzuschlag sie 1946 geboren wurde. Damals gab es in Kapfenberg ein Lager für Displaced Persons, zuvor, zu Zeiten der Nationalsozialisten, arbeiteten Zwangsarbeiter in den Minen und den angeschlossenen Stahlwerken. Diese Historie drängelt sich immer wieder in den Vordergrund, da Jelinek herrlich böse lästert über die Bemühungen Kapfenbergs, sich als Fremdenverkehrsort zu etablieren.
Neben der Autorin wandelt auch die eigentliche Protagonistin, die Geigenlehrerin Brigitte K. durch die Stadt. Das Ich ist vehement in diesem Text, es ist präsenter und scheint zugleich nervöser als in Elfriede Jelineks bisherigen Texten. Als böte es sich ohne lyrische Maske und überhaupt ganz blank dar.
In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erläuterte Elfriede Jelinek entsprechend, der Begriff „Privatroman“ bedeute, „dass der Roman nur privat erscheint, sozusagen im Selbstverlag, aber auch, dass, umgekehrt, mehr Privates in den Text einfließt als sonst.“ Daher mag auch der Hinweis in knallrot rühren, der sich am Ende jeder Unterseite dieses Webauftritts findet: „Sämtliche hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden.“
Im Widerspruch mit dem gewählten Veröffentlichungsort, dem Internet, steht das keinesfalls: Wo sonst, wenn nicht dort, überkreuzen sich das Private und das Öffentliche derart perfide; und woran sonst, wenn nicht daran, entzünden sich alle Diskussionen um das Urheberrecht. In Blogs und auf Portalen wie MySpace entblößen und entäußern Millionen User vor einem potenziell globalen Publikum, wer sie sind und was sie sonst so tun. Und während diese ihre Daten durch das World Wide Web geistern, bleibt das Materielle als überflüssiger Rest im real life zurück, die Garantie für deren Einheit ist abgelaufen, weil digitale Kopien schlicht nicht so einfach zu kontrollieren sind wie ihre analogen Originale – seien es nun Tonträger, Bücher oder eben Körper. Was anderes, wenn nicht das Internet, sollte man als Hölle des totalen Fremdenverkehrs erachten?
“Neid” lesen: Website von Elfriede Jelinek
Literaturpreis der LH München für Tilman Spengler
Der Literaturpreis der Landeshauptstadt München 2008 geht an den Schriftsteller Tilman Spengler. Der mit 10 000.- Euro dotierte Literaturpreis zeichnet alle drei Jahre Münchner Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus, „deren Werke in Stil und Gehalt hohe Qualität aufweisen und die München als Literaturstadt Geltung und Ansehen verschaffen“.
Der Preis wird im Juni von Bürgermeisterin Christine Strobl und Kulturreferent Dr. Hans-Geog Küppers im Literaturhaus verliehen (geschlossene Veranstaltung).
Die Jury begründete ihr Votum wie folgt:
“Tilman Spengler ist ein stets neugieriger, welt- und wortgewandter Autor von außergewöhnlicher thematischer und formaler Vielfalt. 1991 gelang ihm mit „Lenins Hirn”, historischer Wissenschaftsroman und deutsches Sittenbild zugleich, ein großer internationaler Erfolg. Die Fabulierlust des raffinierten Erzählers und die Chinaleidenschaft des studierten Sinologen fanden in den Romanen „Der Maler von Peking” (1996) und „Die Stirn, die Augen, der Mund” (1999) ihren Ausdruck, und in „Das Glück wartet draußen vor der Stadt“ (2002) berichtete er als liebevoller, aber unbestechlicher Beobachter vom chinesischen Alltag. Dass Humor eine schmerzlindernde Waffe sein kann, stellte er explizit in „Wenn Männer sich verheben“ unter Beweis, einem kunstvollen Plädoyer für den aufrechten Gang (und sei er noch so schmerzvoll), und der Band „Meine Gesellschaft. Kursbuch eines Unfertigen” (2001) ist ein Kaleidoskop von Geschichten aus dem wahren Leben – sei es auf bayerischen grünen Hügeln, fernöstlichen Festbanketten oder dem glatten Parkett der Berliner Republik. ”
In der Jury des Literaturpreises waren in diesem Jahr: Harald Eggebrecht (Literaturkritiker, SZ), Volker Isfort (Feuilleton AZ), Antje Kunstmann (Verlag A. Kunstmann), Prof. Herbert Rosendorfer (Preisträger 2005), Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk / Literatur) sowie aus dem Stadtrat Dr. Ingrid Anker, Siegfried Benker, Stefanie Jahn, Marian Offman und Ursula Sabathil.
der goldene fisch
Auch wenn Beiträge im Internet oft noch nach Jahren von jedem gefunden werden können, hat Literatur im Netz oft den Anschein einer Momentaufnahme. Der goldene Fisch nutzt diesen Eindruck. Mit sekundengenauer Zeitangabe untertitelt schreiben seit 2004 ausgewählte Autoren, darunter Sylvia Geist, Mirko Bonné, Hendrik Rost, Lyrik und Kürzestprosa. Auch Bilder und ab und an Videos fehlen nicht. So entsteht ein poetisch komponierter Weblog.
“Weit fort” von Cornelia Schleime
Nichts zu nehmen, wie es ist!
“Die Sch. soll in ihren Beuf ganz gut verdienen. Die Ermittelte ist gut gekleidet, sie trägt auch ‘Westkleidung’. einen Freund hat man im Haus noch nicht gesehen”, heißt es da in Schreibmaschinenlettern inklusive Tippfehler. Oder: “Im Wohngrundstück wurde sie von den Mietern als asoziale Person eingeschätzt.” Als die Malerin Cornelia Schleime 1992, sechs Jahre nach ihrer DDR-Ausbürgerung, diese Akten einsah, musste sie auch die Identität des IM “David Menzer” erkennen: Es handelte sich um ihren langjährigen und engen Freund Sascha Anderson, der wohl als bekanntester Poet in Stasi-Diensten gelten darf.
Bei Schleimes Besuch in der Birthler-Behörde war ein Kamerateam dabei (”Verrat” nennt sich der Dokumentarfilm, der daraus entstand), im darauffolgenden Jahr setzte sie das Beobachtetwerden erneut in Szene, indem sie selbst sich ins Visier nahm. Mit Selbstauslöser fotografierte sie sich in Posen, die den bösen Blick der bürokratischen Texte illustrierend parodierten. Und nun wechselt das Trauma des Objekts das Medium: “Weit fort” heißt die schmale Erzählung, in der Cornelia Schleime von den Nachwirkungen der Ohnmacht im Jahr 2006 erzählt; von Carla, die in einem Internetkontakforum Ludwig kennen lernt und sich in ihn verliebt wie er sich in sie. Ein wunderbarer Mann! Allerdings redet er nicht gern von Früher, seine Vergangenheit wird für Carla umso interessanter, je mehr sich die Zeichen für ein absichtsvolles Schweigen darüber häufen. “Ein Virus hat sich übertragen. Der Virus der Beobachtung, des Zerlegens, des Analysierens. Nichts zu nehmen, wie es ist”: Wieso arbeitet Ludwig bei der Wettervorhersage, wo er doch früher politischer Journalist war? Wo sind die 25 Jahre, die in seiner Biografie auf der Senderhomepage fehlen? Nachdem Carla ihm den Film über ihre Stasi-Akten-Lektüre (ja, so nah ist “Weit fort” an der Realität der Sch.) gezeigt hat, ward er nicht mehr gesehen noch gehört. Schon wieder ein Freund, der lauter offene Fragen hinterlässt.
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LiteraVision 2008
Nun verhält es sich mit Büchern aber wie mit Frauen: Sie sind Behältnisse für Fantasien. Welttage in ihrem Namen provozieren einen dekorativen Aktionismus, und damit hat es sich, schreibt Ina Hartwig in der “Frankfurter Rundschau” ganz richtig über den heutigen “Welttag des Buches” – in den meisten anderen Zeitungen ist gleich mal gar nichts darüber zu finden. Lassen wir das also.
Und wenden uns lieber einer Sache zu, die – wie man neudeutsch so schön sagt – wirklich Sinn macht. Nämlich dem Wettbewerb LiteraVision. Mit der Literatur im Fernsehen ist das ja so eine Sache – wie etwa Elke Heidenreich in ihrer Sendung “Lesen!” die Literatur immer wieder auf den gefühligen Moment herunterbricht, kann man als wahrhafter Leser, dem es weniger um Ergriffenheit geht, als vielmehr um das, was sich mit Sprache anstellen lässt, natürlich nicht gut heißen. Andererseits gibt es viele wunderbare Formate oder Dokumentationen, die sich ernsthaft um die Literatur bemühen. Um das ins Bewusstsein zu rufen und gesondert zu würdigen, hat die Stadt München zusammen mit dem Münchner Literaturhaus den Wettbewerb LiteraVision ins Leben gerufen, der alljährlich seit 1991 die besten TV-Beiträge über Literatur mit zweimal 5000 Euro auszeichnet.
In diesem Jahr sind unter anderem “Michael Hamburger – Ein englischer Dichter aus Deutschland” von Frank Wierke (siehe Foto, © ZDF/Frank Wierke Film), “Die Blechtrommelstory” von Wilfried Hauke und “Vom Glanz und Vergehen der Gruppe 47″ von Andreas Ammer dabei. Und das Beste daran: Man kann sich alle Filme kostenlos mitansehen, die Jurysichtungen am 25. und 26. April (jeweils von 10 bis 17 Uhr) sind öffentlich, im Anschluss wird jeweils mit den Autorinnen und Autoren darüber diskutiert. Am 26. zwischen 17 und 20 Uhr wird dann entschieden, um 20 Uhr verliehen (Eintritt ebenfalls frei). Ort der Veranstaltung ist das Forum (3.Stock) im Literaturhaus.
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Wortspiele 2008: And the winner is …
Nun sind sie also zuende gegangen, die achten Wortspiele, die Wortspiele 2008. Als Tagessieger durften jeweils einen Mont-Blanc-Füller mit nach Hause nehmen: Clemens Meyer (10.4.), FX Karl (11.4) und Monique Schwitter (12.4.). Bevor der BR-Preis im Wert von 2000 Euro (in diesem Jahr verdoppelt, 2007 gab´s noch ‘nur’ 1000 Euro) verkündet wurde, sprach die heutige Moderatorin Tanja Dückers ein paar Worte mit einem Drittel der Jury, nämlich mit der BR-Redakteurin Cornelia Zetzsche über das diesjährigen Festival. Zetzsche nannte 2008 einen “guten Jahrgang” und erkannte als Gemeinsamkeit der Lesenden (soweit eine Generalisierung eben möglich ist), dass die politischen Themen “wieder da” seien.
Das Letztere kann man gut und gern so stehen lassen, die Zeiten der narzisstischen Nabelschauen scheinen tatsächlich vorbei; Ersterem kann ich allerdings nicht ganz zustimmen. Ich fand es einen ausgesprochen mauen Jahrgang. Nicht, dass die Texte schlecht gewesen wären, das keinesfalls.
Es stach nur so gar nichts hervor, man konnte sich über nichts ärgern, sich für nichts wirklich begeistern, man schrie nie vor Schmerz und jauchzte nie vor Freude. Mit Wehmut denke ich da an Michael Stavaric oder Kevin Vennemann im vergangenen Jahr zurück, bei denen Form und Inhalt derart ineinander aufgingen oder zumindest eine derart außergewöhnliche Verbindung eingingen, dass man gar nicht anders konnte, als festzustellen, dass es da gerade etwas Besonderes zu hören gab. Dagegen in diesem Jahr: eine durchweg vorhersehbare Pointe von Clemens Meyer, ziemlich schief geratene Metaphern von FX Karl (Wagemutige behaupten, das könnte Absicht sein), langweilige Landschaften von Hans Platzgumer, ausnehmend viel “Mandelkern” von Thomas Pletzinger, stereotyper Humor von Stefan Wimmer und reichlich Ätherisch-Minutiöses von Jörg Matheis und Marcus Braun. Was natürlich alles Vorurteile sind: Mehr als die Ausschnitte, die sie im Ampere gelesen haben, weiß ich von ihren Büchern nicht.
Meine persönlichen Favoriten – in order of appearance: Max Dorner, Katja Oskamp und Jan Böttcher – haben gleich mal gar nix gewonnen. Womit wir wieder beim Thema wären: The winner of the BR-Wortspiele-Preis ist Fridolin Schley (siehe unscharfes Foto, zusammen mit der Überreicherin Tanja Dückers, die Schulter links im Bild gehört Thomas Lang), die Jury begründete das mit der “Sebaldschen Sprachmelodie” (das Vorbild war wirklich nicht zu überhören) und mit den “feinen Fäden”, die Schley “zwischen Vergangenheit und Zukunft zieht”. Es mag auch das Lokalmatadorige eine Rolle gespielt haben – Schley ist Münchner -, allerdings hat mir sein Text ebenfalls recht gut gefallen, gerade auch wegen der Ambitionen, die darin stecken, diese Entscheidung geht (imho!) demnach absolut in Ordnung. Bis zum nächsten Jahr also! (Und großen Dank natürlich wie immer an die beiden, die das alles organisieren: Jana und Johan de Blank!)
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