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Elfriede Jelineks Internetroman “Neid” ist fertig

Posted on | Mai 8, 2008 | Kommentare deaktiviert

Für den Roman – der Hieronymus Boschs „Die sieben Todsünden“ zum Emblem hat – hat sich Elfriede Jelinek in die Landschaft ihrer katholischen Kindheit zurückgeschrieben, in die Erzabbau-Gegend der Steiermark, nach Bruck an der Mur und Kapfenberg im Mürztal, in deren Nachbarort Mürzzuschlag sie 1946 geboren wurde. Damals gab es in Kapfenberg ein Lager für Displaced Persons, zuvor, zu Zeiten der Nationalsozialisten, arbeiteten Zwangsarbeiter in den Minen und den angeschlossenen Stahlwerken. Diese Historie drängelt sich immer wieder in den Vordergrund, da Jelinek herrlich böse lästert über die Bemühungen Kapfenbergs, sich als Fremdenverkehrsort zu etablieren.

Neben der Autorin wandelt auch die eigentliche Protagonistin, die Geigenlehrerin Brigitte K. durch die Stadt. Das Ich ist vehement in diesem Text, es ist präsenter und scheint zugleich nervöser als in Elfriede Jelineks bisherigen Texten. Als böte es sich ohne lyrische Maske und überhaupt ganz blank dar.
In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erläuterte Elfriede Jelinek entsprechend, der Begriff „Privatroman“ bedeute, „dass der Roman nur privat erscheint, sozusagen im Selbstverlag, aber auch, dass, umgekehrt, mehr Privates in den Text einfließt als sonst.“ Daher mag auch der Hinweis in knallrot rühren, der sich am Ende jeder Unterseite dieses Webauftritts findet: „Sämtliche hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden.“

Im Widerspruch mit dem gewählten Veröffentlichungsort, dem Internet, steht das keinesfalls: Wo sonst, wenn nicht dort, überkreuzen sich das Private und das Öffentliche derart perfide; und woran sonst, wenn nicht daran, entzünden sich alle Diskussionen um das Urheberrecht. In Blogs und auf Portalen wie MySpace entblößen und entäußern Millionen User vor einem potenziell globalen Publikum, wer sie sind und was sie sonst so tun. Und während diese ihre Daten durch das World Wide Web geistern, bleibt das Materielle als überflüssiger Rest im real life zurück, die Garantie für deren Einheit ist abgelaufen, weil digitale Kopien schlicht nicht so einfach zu kontrollieren sind wie ihre analogen Originale – seien es nun Tonträger, Bücher oder eben Körper. Was anderes, wenn nicht das Internet, sollte man als Hölle des totalen Fremdenverkehrs erachten?

“Neid” lesen: Website von Elfriede Jelinek

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