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Annemarie Schwarzenbach

Posted on | Mai 13, 2008 | Kommentare deaktiviert

Am 23. Mai würde Annemarie Schwarzenbach (23.05. 1908 bis 15.11. 1942) 100 Jahre alt. Sie wuchs in der Seegemeinde Horgen oberhalb des Zürichsees in einer reichen Industriellenfamilie auf, promovierte bereits mit 23 Jahren und veröffentlichte erste journalistische wie literarische Texte noch während ihrer Studienzeit. Schon kurz nach Abschluss ihre Studiums debütierte sie 1931 mit ihrem Roman “Freunde um Bernhard”. 1930 begegnete sie in Berlin Klaus und Erika Mann, mit denen sie nicht nur die literarischen Ambitionen, sondern bald auch die Vorliebe für Alkohol, Morphium und pausenloses Reisen teilte. Ihre Züricher Familie schockierte sie mit ihrem unkonventionellem Verhalten. Nichts weniger als »moralische Verworfenheit« attestierte die Familie ihr, denn statt Heiratskandidaten aus guten Häusern liebte Annemarie Schwarzenbach Frauen, so z. B. Erika Mann, die jedoch ihre Liebe nicht erwiderte. Dass Teile ihrer Familie mit der “Schweizer Front” sympathisierten, Annemarie Schwarzenbach jedoch eine antifaschistische Einstellung hegte, machte das Verhältnis nicht besser.

1933 initiierte Annemarie Schwarzenbach die Gründung der Exil-Zeitschrift Die Sammlung, die unter Klaus Manns Leitung in Amsterdam erschien und emigrierten Schriftstellern ein literarisches Forum bot. Als Nazideutschland und die Faschisten immer größere Teile Europas knebelten, lebte Annemarie Schwarzenbach selbst teilweise das Leben einer Flüchtenden, indem sie mehrere Jahre lang in mehreren Ländern lebte. Sie reiste in den Vorderen Orient, nach Nordafrika und Indien, in die USA und nach Schwarzafrika. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie literarisch, journalistisch und fotografisch zu Romanen und Gedichten, Reisetagebüchern und sozialkritischen Reportagen. Bekannt wurde sie hauptsächlich aufgrund dieser Reisereportagen. 1935 heiratete sie trotz ihrer lesbischen Orientierung den französischen Diplomaten Claude Clarac in Persien. Dort schrieb sie “Tod in Persien”, der erste Entwurf ihres 1938 vollendeten lyrischen Romans “Das glückliche Tal”.

Die seit 1932 bestehende Drogenabhängigkeit machten mehrere Entziehungskuren und etliche Klinikaufenthalte notwendig. Trotzdem reiste sie 1936 in die USA, wo sie Massenarbeitslosigkeit und Elend nach der Großen Depression dokumentierte, 1939 unternahm sie mit Ella Maillard eine Autoexpedition nach Afghanistan, anschließend übersiedelte sie, da sie sich dem literarischen Exil, dem auch Klaus Mann angehörte, zugehörig fühlte, in die USA, wo sie für das Emergency Rescue Committee tätig war und für US-Zeitungen Artikel schreiben wollte. Im Winter 1940/41 fand die Hoffnung Amerika für sie jedoch ein bitteres Ende. Sie wurde zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, aus welcher ihr Bruder sie nur unter der Bedingung befreien konnte, dass sie das Land sofort verlasse. Da sie zu Hause unwillkommen war, begab sich Annemarie Schwarzenbach im April 1941 auf ihre letzte große Reise über Spanien und Portugal in den Kongo, wo sie für Schweizer Zeitungen schrieb. Durch eine Malaria-Erkrankung geschwächt, kehrte sie im Juli 1942 in die Schweiz zurück. Bei einem Fahrradsturz zog sie sich eine schwere Kopfverletzung zu, an deren Folgen sie am 15. November 1942 starb. Am Tag ihres Todes vernichtete die Mutter Annemarie Schwarzenbachs sämtliche Manuskripte, Tagebücher und die Briefe der Geschwister Mann.

Wer weiterlesen möchte, dem sei die Seite des Deutschlandfunks empfohlen, eine literarische Annhäherung mit Biografie-Tipps zum Weiterlesen. Auch der WDR widmet Annemarie Schwarzenbach einen Artikel mit Buch- und Ausstellungstipps.

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