Außer Büchern – Literatur im TV: “LeseHorizonte: Südafrika”
(Noch bis 18. Juni auf dem Onlineportal Arte+7 zu sehen: bitte hier entlang …)
Als die FAZ im vergangenen Jahr lautstark forderte “Hungert sie aus!” dürfte der ein oder andere vermutlich zustimmend genickt haben – denn damit war die Literatur gemeint. Der Text beklagte die Saturiertheit der deutschen Schriftsteller angesichts der Vielzahl der Preise: “Zutraulich geworden durch regelmäßige Fütterung, scheint der Literatur sogar das Bewusstsein dafür abhandengekommen zu sein, dass ihre innere Natur nicht die des Haustiers ist, sondern die der Bestie.” Dass im Gegenzug vor allem gesellschaftliche Umbrüche oder Notstände die Qualität der Literatur befördern, war da freilich ebenfalls zu lesen – “Aus den dunkelsten Epochen leuchten uns die überragendsten Dichtungen entgegen” – was für ein zynisches Klischee! Aber klar: Irgendwie ist da was Wahres dran, und so versteht man auch die Entscheidung von dem französischen Brüderpaar Olivier et Patrick Poivre d’Arvor – der eine Schriftsteller, der andere Journalist – ihre Reportageserie über die Literaturen anderer Länder in Südafrika zu beginnen.
15 Jahre sind vergangen seit den ersten freien Wahlen in Südafrika und der Abschaffung der Apartheid – die eben mit der Hautfarbe immer auch die Sprache meinte: Der Aufstand in den Soweto-Townships war ein Aufstand der Schüler, die gegen die Verpflichtung der schwarzen Bevölkerung auf Afrikaans als Amts- und also Unterrichtssprache protestierten. Seit 1994 hat Südafrika nun elf Amtssprachen, eine Vielfalt, die nur von Indien übertroffen wird. Die Politik und die Sprache sind denn auch die Themen der Gespräche, die die Poivre d’Arvors mit so unterschiedlichen südafrikanischen Autoren wie der Dichterin Lebo Mashile, den Schriftstellern André Brink und Ivan Vladislavic, der Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer sowie einer bunten Runde hierzulande völlig unbekannter Autoren geführt haben.
Dabei kommen durchaus unterschiedliche literarische Haltungen und Persönlichkeiten zu Wort. André Brink etwa, der nach einem Publikationsverbot begann, auf Englisch zu schreiben, um wenigstens jenseits seiner Heimat gelesen zu werden, jedoch nie aufhörte, sich in Afrikaans auszudrücken: “Das ist die Sprache der Apartheid, die Sprache der Autoritäten, die Sprache der Macht, und ich wollte diese Macht in ihrer eigenen Sprache anfechten.” Auch steht Nelson Mandela bei einigen durchaus in der Kritik.
So entsteht ein spannendes Panorama dieses Landes und seiner Literatur – dem man höchstens eine halbe Stunde Verlängerung gewünscht hätte, da man manche Meinung, manches Argument gerne noch ausgeführt bekommen hätte und gerade von der nicht weniger disparaten jüngeren Generation – die teils recht heitere Frauenliteratur produziert – gerne mehr erfahren hätte, da sie schließlich die literarische Zukunft von Südafrika repräsentieren.
Was man am Ende allerdings sicher weiß: Umbrüche tun in jedem Fall dem Buchmarkt gut, “von einem Tag auf den anderen”, so erzählt es die Buchhändlerin Henriette Dax, sei die Nachfrage nach Belletristik und Sachbuch exorbitant in die Höhe geschnellt, “die Südafrikaner entdecken ihre Wurzeln und ihre Vergangenheit”, erklärt sie. Die dunkelsten Epochen müssen also manchmal erst ein wenig erhellt werden, damit die leuchtende Literatur auch wirklich zutage treten kann.
“LeseHorizonte: Südafrika”. 11.6., 22.40 Uhr, Arte; weitere Folgen handeln von Ägypten, Haiti und Quebec.
Bild: Sendeanstalt/Copyright
Lesetipps zu Südafrika
André Brink: Die andere Seite der Stille, Osburg Verlag, 19,90 Euro
Ivan Vladislavic: Johannesburg – Insel aus Zufall, A1 Verlag, 19,90 Euro
Nadine Gordimer: Beethoven war ein Sechzehntel schwarz, Berlin Verlag, 19,90 Euro
Breyten Breytenbach: Mischlingsherz, Hanser, 17,90 Euro
Nur auf Englisch erhältlich ist Antjie Kroogs Buch “The Country of my Skull” über die Arbeit der Wahrheitskommission.
Karl Stankiewitz im Literaturtreff
| 3. Juni 2009 | ||
| 20:00 |
In seinem Gepäck befindet sich sein neuestes Buch “Ich näherte mich den Gebirgen” und ein Stift zum Signieren. Außerdem wird Herr Stankiewitz ein wenig über die Entstehung des Buches und seinen Lebens- und Schaffensweg berichten. Karl Stankiewitz, Jahrgang 1928, war zunächst Redakteur der Abendzeitung und der Süddeutschen Zeitung. Später schrieb er für den Spiegel und den Stern, die SZ und den BR sowie als München-Korrespondent für bis zu 15 außerbayerische Zeitungen.
Auch das Café Kitchenette “nähert sich den Gebirgen” und bringt ein stimmungsvolles Bergsteiger-Essen auf den Tisch. Zur Auswahl stehen:
* Bergtoast mit würzigem Käse, frischen Tomaten und Kräutern
* Grünkernsuppe
* kleiner Jausenteller mit Schmalz, Brot, rohem Schinken und Gewürzgurke
(Wer essen möchte, sollte aus organisatorischen Gründen spätestens um 19.30 Uhr im Café Kitchenette sein.)
BITTE FÜR DIESE VERANSTALTUNG UNBEDINGT VORHER ANMELDEN!!! (Café Kitchenette, Tel.: 089 / 74 74 62 99.) Die Plätze sind begrenzt.
Eintritt: € 5
Café Kitchenette, Plinganserstraße 38a
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Schlechteste Nachrichten
Wer sich einmal in Ruhe das Autorenarchiv des Urs-Engeler-Verlags zu Gemüte geführt hat – Franz Josef Czernin, Elke Erb, Werner Hamacher, Anna Achmatowa, Ulf Stolterfoht, Hilda Doolittle, Thomas Kapielski, Gertrude Stein und noch so viele andere wunderbare Namen finden sich da -, der hat diesen Verlag freilich längst schätzen gelernt. Doch damit hat es nun leider ein Ende: Urs Engeler gibt zum Jahresende auf, wie die Süddeutsche heute vermeldet (Text steht auch online). Dieser Verlust ist nicht nur einer für die Verlagsszene, sondern auch für die intellektuelle Kultur. Denn dass sich ein anderer für diese Autoren findet – mit denen man ja offensichtlich kein Geld verdienen kann – ist doch mehr als fraglich.
Update 1. Juni: Mehr dazu gibt es nun auf der Website von Engeler …
Hardy Scharf liest satirische Gedichte
| 5. Juni 2009 | ||
| 19:00 |
Poetisch lässt Hardy Scharf in den satirischer Spiegel unserer Zeit blicken. Der Münchner Turmschreiber gibt im Turmstüberl Kostproben seines neu erschienenen Gedichtbandes „Ich kitzelte ein Krokodil“, begleitet von Leo Gmelch an der Posaune.
Eintritt: € 10 + 2,99 (unter Tel. 22 32 66)
Turmstüberl des Valentin-Karlstadt-Musäums
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Der Maler Heribert Spitzauer liest “Briefe an eine Muse”
| 19. Juni 2009 | ||
| 20:00 |
Eine Liebeserklärung an das Wesen Frau sind Spitzauers “Briefe an eine Muse”. Er hüllt Fantasien und Erinnerungen in Wortgemälde, die sinnliche Bilder im Kopf entstehen lassen. Seine sonore Stimme bewegt, einmal als offene Einladung und dann wieder als heimlicher Beobachter.
Eintritt: € 7
Buchhandlung Sinn & Sinnlichkeit, Auenstraße 2
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Misslungene Bücher-PR
Also vorneweg: Ich mag, ja liebe den Ammann-Verlag sehr. Denn – Eric-Emmanuel Schmitt mal lautstark ausgenommen – diese Schweizer machen wirklich ein hervorragendes Programm.
Deswegen habe ich mich eben umso mehr geärgert, als ich gesehen habe, wie aktuell die Eingangsseite der Ammann-Homepage aussieht. So nämlich:
Und das finde ich echt einen mehr als dicken Hund: Für Kermanis jüngstes Buch bei Ammann (das ja bereits 2007 erschienen ist!) zu werben, indem man den Rummel um die Aberkennung des Hessischen Staatspreises ausnutzt (und deshalb den Slogan “Aktuell und singulär!” darunter pappt). Nicht besonders appetitlich. Und noch weniger sinnvoll …
Vor allem folgt, wenn man darauf klickt, nicht einmal eine echte Information, sondern folgen nur die leidlich dürren Sätze:
Navid Kermani wurde der Hessische Kulturpreis aberkannt. Seit dies in den Medien bekannt wurde, überschlagen sich die Berichterstattungen und erheben sich kritsche Stimmen zu diesem Vorfall. Die Preisverleihung wird nach Informationen der „Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen“ nun im Herbst stattfinden.
- wobei der Name natürlich direkt weiterlinkt auf die Biografie des Autors – wo sich dann auch dessen Bücher bestellen lassen, wat´n Zufall.
Bücher im Gespräch: “Tatort Mount Everest – Der Fall Mallory” von Jochen Hemmleb
| 24. Juni 2009 | ||
| 19:00 |
Seit zwanzig Jahren befasst sich der Alpinhistoriker Jochen Hemmleb mit dem Geheimnis um die 1924 verschollenen Everest-Pioniere Mallory und Irvine. In seinem neu erschienenen Buch erzählt er die Geschichte der Everest-Nordseite, die für ihn 1988 mit der Lektüre eines einzelnen Buches begann und elf Jahre später mit einem atemberaubenden Fund auf 8160 Metern in der Nordflanke des Mount Everest endet…
Eintritt: € 6/3
Platzreservierung wird empfohlen! (Tel.: 21 12 24-0 oder E-mail: alpines.museum@alpenverein.de)
Alpines Museum, Praterinsel 5
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Die Suche nach dem Glück – Geschichten aus den Bergen der Welt
| 18. Juni 2009 | ||
| 19:00 |
Erzählabend für Erwachsene: Eine seltsame Alte aus den Bergen Mallorcas, verjüngt in der Liebe, eine junge Schöne in Tränen aufgelöst auf einem Berggipfel, eine Rettung in den Bergen Chinas durch Verwandlung in einen Tiger, eine Suche nach der Braut auf den Hochplateaus Tibets – von Europa über den Orient bis zum Himalaya spannt Michaela Thomson den Bogen mit exotischen Geschichten, die von der Suche und dem Finden des Glücks in den Bergen berichten.
Eintritt: € 12/8
Platzreservierung wird empfohlen! (Tel.: 21 12 24-0 oder E-mail: alpines.museum@alpenverein.de)
Alpines Museum, Praterinsel 5
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Buchpräsentation: “Mit allem was ich bin” von Gloria Gray
| 18. Juni 2009 | ||
| 20:30 |
Bereits mit fünf Jahren wusste Gloria Gray, dass sie im falschen Körper geboren wurde. In ihrer Autobiografie beschreibt sie ihren Weg von dem kleinen Jungen, der gehänselt und gedemütigt wurde, hin zu der Künstlerin und Entertainerin des Showbusiness. Sie hat ganz auf ihr inneres Wissen vertraut und wurde durch verschiedene Operationen und Hormonbehandlungen auch äußerlich zu der Frau, die sie innerlich schon immer gewesen ist.
Eintritt: € 22
Schlachthof, Zenettistraße 9
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Karl Stankiewitz stellt sein Buch “München `68″ vor
| 23. Juni 2009 | ||
| 19:00 |
Der Zeitungskorrespondent Karl Stankiewitz erlebt hautnah, wie protestierende Studenten Veränderungen in Politik und Kultur, Schulen und Universitäten, Medien und Kirche erzwingen.
Beeindruckt und geprägt von diesen Vorgängen und Erlebnissen jener Tage hat Karl Stankiewitz seine in diesem Schicksalsjahr entstandenen Reportagen und Berichte für das vorliegende Buch zusammengetragen. Auch Zeitzeugen wie Christian Ude oder Dieter Hildebrandt werden nach ihrer heutigen Sicht auf die Vergangenheit befragt und kommen hier zu Worte.
Eintritt: € 6
Wolf-Ferrari-Haus, Bibliothek, Ottobrunn
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