KLAPPENTEXT No. 13, Mai 2009
Verehrte Leserinnen und Leser,
vielleicht kennen Sie die ja auch, die so genannte Schreibblockade. Jedenfalls hat uns die gerade befallen. Alle Bücher sind gelesen und besprochen, alle Termine auf der Website eingespeist und für das Heft neu gesetzt – und dann fällt einem plötzlich nichts mehr ein, was man im Editorial noch zu erzählen haben könnte. Selbst mit Sprichwörtern à la “Alles neu macht der Mai” kommt man nicht weiter, das Hirn bleibt ausgebrannt, die Finger müde, der Geist träge. Also machen wir hier einmal etwas, das wir noch nie getan haben: Wir bitten Sie ganz offiziell um Verzeihung für dieses gänzlich sinnfreie Editorial – und versprechen freilich Besserung bis zur Juni-Ausgabe. Da wird uns bestimmt wieder etwas einfallen …
Lesen Sie gut!
wünschen wir Ihnen dennoch und auf jeden Fall:
Ihre Redaktion
Und jetzt: Mai-Ausgabe des KLAPPENTEXT lesen!
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Einen Stift! Ein TV-Porträt der Lyrikerin Hilde Domin
Bild: ZDF/3Sat
Der Satz „Lassen Sie mich mal grad die Domin einsortieren“, ausgesprochen von einer Buchhändlerin, bedeute, so erzählt es die Regisseurin Anna Ditges am Beginn ihres Films, den Anfang ihrer Bekanntschaft mit der Lyrikerin Hilde Domin. Wie könne jemand so klar und deutlich formulieren, was sie bewege, habe sie sich beim Lesen gefragt – und Domin kennenlernen wollen. Zwei Jahre lang – anfangs ohne Unterstützung von Sendern oder Produktionsfirmen – besuchte sie die Dichterin immer wieder in ihrem Haus in Heidelberg, fuhr mit ihr nach Köln ins Elternhaus, zum Friseur, auf den Friedhof. Ditges war dabei Kamerafrau und Regisseurin in einem – sonst wäre sie Domin vermutlich auch nicht so nahe gekommen. Auch wenn sich die beiden bald duzen und Domin Ditges sichtlich wie eine Enkeltochter bei sich aufnimmt, reagiert sie auf die Kamera oft genervt. „Nicht so nah!“, mahnt sie dann. Und: „Dieses dauernde Gefilmtwerden hasse ich. Also dich liebe ich, aber dieses Filmen …“
Was der 1909 in Köln Geborenen ebenfalls schwer fällt: über Hitler zu reden, den sie früh erkannt hat und vor dem sie folglich bereits 1932 nach Rom floh; von der Diktatur in der Dominikanischen Republik zu erzählen, wohin sie 1940 mit ihrem Mann Erwin Palm emigrierte. Überhaupt: Erwin auf Bildern zu sehen, die Gedichte, die sie für ihn schrieb, vorzulesen. Ditges insistiert und Hilde Domin gibt nach, rezitiert auf dem Bett lagernd „Zärtliche Nacht“ und reicht das Buch umgehend wie etwas Giftiges zurück an die Regisseurin. Wenn es um die Vergangenheit geht, wird ihr schnell schwindlig, wird sie schnell einmal pampig. „Was für eine doofe Frage!“ empört sie sich, als Ditges fragt, ob ihr die Abtreibung des auf der Überfahrt nach Santo Domingo empfangenen Kindes schwer gefallen sei. Und Erwin? „Erwin wollte sowieso keine Kinder, Erwin wollte die Hauptperson sein, das ist ja ganz klar.“ Als Hilde Domin 1951, nach dem Tod ihrer Mutter, ihr erstes Gedicht schrieb, eilte sie sofort zu Erwin. Doch der sagte nur: „Du schreibst keine Gedichte.“ – er selbst schrieb nämlich welche. Dann las sie es ihm vor. „Er sagte, das ist ein Gedicht, und knallte die Tür.“ Es scheint ihm schwer gefallen zu sein, das Talent seiner Frau anzuerkennen: „Sicher war ich keine Dichterin für ihn, ich war seine Assistentin“, erklärt Domin. Er fehlt ihr dennoch wie niemand sonst, das lässt sich weder übersehen noch überhören.
Gemeinsam mit Domin sichtet Ditges Orte und Bilder der Erinnerung, im Hintergrund liest Anna Thalbach Lyrik und Prosa von Domin, die Kamera ist manchmal ziemlich schief gelagert – was in vielen Situationen durchaus seinen Reiz hat. Dann sieht man nur ein halbes Domin-Gesicht oder nur die Baumkronen im Himmel oder nur die Schatten der Spazierenden. Anders als so ausschnitthaft und doch unglaublich nahe hätte man die Domin kaum porträtieren können. Dabei sind scheinbar naive Fragen gar nicht das Schlechteste, um dieser Frau zu begegnen – weil man dann ein gutes Bild von ihren Eigenheiten bekommt. „Was braucht es zum Gedicht?“ fragt Ditges zum Beispiel einmal. Und was sagt Domin? „Einen Stift!“
„Ich will dich – Begegnungen mit Hilde Domin“, 10. Mai, 3Sat, 21.45 Uhr
KLAPPENTEXT: Was die Presse sagt
Das Neueste: Unter der Überschrift “München im Netz – Die heimlichen Literaten” findet der KLAPPENTEXT auf sueddeutsche.de Erwähnung:
Das pdf-Magazin Klappentext ist im März erstmals auch gedruckt erschienen. Für viele ein Grund zur Hoffnung, dass die Literaturszene im Netz endlich ein wenig mehr Aufmerksamkeit erhält.
Link: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/517/460152/text/
1. Der Lesekreis (lesekreis.org), ein seit vielen Jahren gut eingeführter Blog Münchner Literaturinteressierter, hat bereits mehrmals über den KLAPPENTEXT berichtet. Einmal anlässlich der Nullnummer: http://lesekreis.org/2008/04/01/schreibwarenladen-erfuellt-mit-klappentext-erste-mission-fuer-muenchen.
Und einmal über die Juni-Ausgabe zum Thema “Hörspiel”:
Und es liest und hört sich wirklich ausgezeichnet. Der Klappentext ist informativ und überschaubar.
In diesem Artikel findet auch die Webseite lobende Erwähnung:
Im Münchner Literaturkalender bekommt man einen schnellen Überblick über täglich stattfindende Veranstaltungen, aktuelle Termine werden in einer 4-Tages-Übersicht angezeigt. Weiterhin gibt es Rubriken mit Tipps für Kinder, Literatur im Netz, Nachrichten, Hören, Lesen und Namen.
(Quelle: http://lesekreis.org/2008/06/24/klappentext-literatur-in-munchen-und-anderswo-vom-schreibwarenladen)
2. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 10. Juni im Ressort Münchner Kultur über den KLAPPENTEXT:
Und was für ein kluges und schönes Ding Schuster da zusammen mit der Grafikerin Tanja Kischel monatlich auf die Beine stellt: Der KLAPPENTEXT kommt mit hervorragend geschriebenen Texten und wegweisendem Design daher.
3. Am 2. Juli empfahl Rüdiger Dingemann im Perlentaucher-Medienticker das Online-Extra der Juni-Ausgabe des KLAPPENTEXT, die Hörbuchreihe “Literatur Heute” von Jakob Schiefer. Link: http://www.perlentaucher.de/artikel/4736.html.
4. Am 2. September wurde der KLAPPENTEXT selbst im Perlentaucher Medienticker empfohlen: http://www.perlentaucher.de/artikel/4909.html
5. Der Linktipp des Oktober-Newsletters der Schlossbücherei Ismaning gilt ebenfalls dem KLAPPENTEXT:
Unser Linktipp: Im Münchner Literaturportal http://www.literatur-muenchen.de/
gibt es viele Informationen zu Literaturveranstaltungen und ein regelmäßig
erscheinendes PDF-Literaturmagazin. Wer sich also schnell darüber
informieren möchte, welche Autorenlesungen in München angeboten werden,
wird hier schnell fündig.
to be continued …
6. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 25. Februar über unseren gewagten Schritt, den KLAPPENTEXT nicht mehr nur digital, sondern auch analog anzubieten: SZ-Artikel lesen als PDF oder online.


